Dass bei uns mittlerweile ab und zu die Nerven blank liegen wundert wahrscheinlich niemanden. Wir machen eben im Moment eine aufregende Zeit durch. Wir warten alle gespannt auf die Ankunft unseres Babys. Auch Jesse und Knut.
Besonders Jesse kämpft gerade mit seinen schwachen Nerven. Mit mir im Garten zu sein ist für ihn momentan sehr anstrengend. Dauernd muss er mich bewachen und beschützen. Er bellt ständig. Wenn Spaziergänger (mit oder ohne Hund), Fahrräder oder Autos am Gartenzaun vorbeikommen, wenn die Nachbarn im Garten auftauchen und so weiter.
Weil Jesse ja meistens neben meiner Gartenliege im Schatten liegt, schreckt er mich jedesmal hoch, wenn er wieder lautstark anfängt zu kläffen. Leider weckt er damit auch immer wieder das Baby in meinem Bauch auf, das dann wild anfängt zu strampeln. Nicht sehr angenehm.
Anfangs habe ich versucht Jesses Verhalten einfach zu ignorieren. Ich dachte, wenn er merkt, dass ich mich gar nicht aufrege beruhigt er sich auch irgendwann. Aber es wurde im Verlauf der letzten Tage immer schlimmer mit ihm. Also habe ich gestern Abend dann doch mal geschimpft. Ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten. Jesse sprang immer wieder laut bellend auf und rannte an den Zaun, obwohl da weit und breit nichts war – wahrscheinlich hatte ein Eichhörnchen gepupst…
Ich verstehe Jesse ja einerseits. Er weiß, dass eine Veränderung vorgeht. Spürt unsere unterschwellige Nervösität. Und sieht sich in der Pflicht mich zu beschützen, weil er merkt dass mit mir offenbar etwas nicht stimmt. Nichtsdestotrotz nervt sein Gebelle. Er steckt ja auch Knut damit an – was dazu führt, dass beide Jungs 50x am Tag kläffend durch den Garten rennen, als wären die Panzerknacker und Charles Manson gleichzeitig aufgetaucht.
Leider fällt mir auch keine Lösung ein, wie ich das Verhalten auf die schnelle abstellen könnte. Wir sind nun mal alle aufgeregt. Auch wenn wir uns bemühen nach außen hin ruhig zu sein. Jesse und Knut spüren, dass etwas vor sich geht und reagieren mit einer gewissen Unsicherheit.
Und gewisse Menschen aus der Nachbarschaft, die gewisse Hunde ohne Leine vor unserem Grundstück randalieren lassen und nicht in der Lage sind die Tiere abzurufen bevor sie knurrend gegen unseren Zaun donnern sind auch nicht gerade hilfreich. Da fühlen sich meine Jungs nämlich in ihrere Annahme bestätigt, dass sie ihr Revier beschützen und verteidigen müssen.